Ohne Feuerfest keine Industrie: FGF empfängt Politik im Europäischen Feuerfestzentrum Forschung für den Mittelstand braucht verlässliche Förderung
Höhr-Grenzhausen, 26. Oktober 2026
Die Forschungsgemeinschaft Feuerfest e. V. (FGF) und der Campus Höhr-Grenzhausen der Hochschule Koblenz haben am Mittwoch, 21. Oktober 2026, 18 Teilnehmende aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft zu einem Austausch über Keramik und Feuerfest als Schlüsseltechnologien empfangen. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Rolle feuerfeste Werkstoffe für den Industriestandort Deutschland und die klimaneutrale Transformation der Grundstoffindustrie spielen. Zu den Gästen zählten die Landtagsabgeordneten Dr. Lea Heidbreder und Carl-Bernhard von Heusinger sowie der Bundestagsabgeordnete Julian Joswig (alle Bündnis 90/Die Grünen). Initiiert hatte das Treffen Tobias Steffen, Wissenschaftler und AI Innovation Manager bei der FGF.
Für Stadt und Region nahmen Stadtbürgermeister Wolfgang Letschert und Markus Ströher, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Kannenbäckerstadt, teil. Am Campus stellte Prof. Dr. Pascal Seffern, Prodekan des Fachbereichs bauen-kunst-werkstoffe und Standortleiter in Höhr-Grenzhausen, die Bedeutung keramischer Werkstoffe für Medizintechnik, Energietechnik, Mobilität, Maschinenbau und Halbleiterfertigung vor. Die keramische Ausbildung am Standort ist nach Angaben der Hochschule deutschlandweit einzigartig und eng mit Industrie und Forschungseinrichtungen vernetzt. Ein Laborrundgang führte unter anderem zu den thermisch-physikalischen Prüfeinrichtungen, zur Rasterelektronenmikroskopie und ins chemische Labor.
„Keramik ist eine Enabler-Technologie: Oft unsichtbar im Hintergrund, macht sie Schlüsselanwendungen in Energie, Mobilität, Medizin, Elektronik und Umwelttechnik überhaupt erst möglich. Ihre Bedeutung bemisst sich deshalb weniger am Umsatz als an der Funktion, die sie für ganze Technologiesysteme übernimmt.“
Prof. Dr. Pascal Seffern, Prodekan des Fachbereichs bauen-kunst-werkstoffe, Hochschule Koblenz
Feuerfest als Grundlage der Grundstoffindustrie
Im benachbarten Europäischen Feuerfestzentrum begrüßte Dr. Kerstin Hauke, Leiterin der FGF, die Gruppe. Tobias Steffen erläuterte, warum die Grundstoffindustrie auf Feuerfest angewiesen ist: Feuerfeste Werkstoffe kleiden die Hochtemperaturanlagen aus, in denen Stahl, Glas, Zement, Aluminium und chemische Grundstoffe hergestellt werden. Damit hängen auch die nachgelagerten Branchen von ihnen ab. Die Umstellung auf klimaneutrale Verfahren wie die wasserstoffbasierte Stahlherstellung stellt neue Anforderungen an diese Werkstoffe. Diese Fragestellungen bearbeitet die FGF in vorwettbewerblichen und bilateralen Forschungsprojekten.
In den Laboren zeigte Tobias Steffen Hochtemperatur-Prüfanlagen, die die FGF vollständig im Haus entwickelt und gebaut hat. Mehrere dieser Prüfmethoden sind aus vorwettbewerblichen Forschungsprojekten direkt in die Entwicklungsabteilungen mittelständischer Unternehmen der Feuerfestindustrie übergegangen. Finanziert wird diese Forschung wesentlich über Förderprogramme wie die Industrielle Gemeinschaftsforschung (IGF) und das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM). Für das ZIM gilt seit Juli 2026 ein Antragsstopp des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE).
„Unsere Prüfmethoden entwickeln wir in vorwettbewerblichen Forschungsprojekten und bringen sie von dort direkt in die Entwicklungsabteilungen mittelständischer Feuerfestunternehmen. Der ZIM-Antragsstopp gefährdet diesen Weg und widerspricht dem erklärten Ziel des BMWE, die Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandorts zu steigern. Wir fordern daher, die Antragstellung im ZIM schnellstmöglich wieder zu öffnen und die Forschung für den Mittelstand durch starke Förderprogramme abzusichern.“
Tobias Steffen, Wissenschaftler und AI Innovation Manager, Forschungsgemeinschaft Feuerfest e. V.
Stimmen aus der Politik
Dr. Lea Heidbreder, Sprecherin für Wissenschaft und Hochschule der Grünen Landtagsfraktion, hob hervor, dass Keramik- und Werkstoffforschung am Standort zeige, wie Klimaschutz und industrielle Innovation zusammengehen: durch effizientere Rohstoffnutzung, geschlossene Kreisläufe und klimaneutrale Prozesse. Julian Joswig, Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie des Bundestages, unterstrich den Förderbedarf:
„„Ohne feuerfeste Werkstoffe gibt es keinen grünen Stahl, keinen klimaneutralen Zement und keine Chemie von morgen. Das hört sich erstmal nischig an, ist aber enorm wichtig für unsere Industrie. Aus meiner Arbeit mit Climate-Tech-Start-ups weiß ich, wie schwer der Sprung vom Labor in den Markt ist und dass er ohne verlässliche öffentliche Förderung selten gelingt. Umso weniger verstehe ich, dass das Wirtschaftsministerium ausgerechnet das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) stoppt. Die Bundesregierung will unseren Standort wettbewerbsfähiger machen und dreht denen den Hahn zu, die dafür forschen. Das ergibt keinen Sinn. Wir brauchen das ZIM zurück, und eine Industriepolitik, die auch die Mittelständler im Blick hat, die unsere Industrie am Laufen halten““
Julian Joswig, Mitglied des Deutschen Bundestages
Zum Abschluss lud der Verband der Deutschen Feuerfest-Industrie e. V., vertreten durch Dr. Elke Steinle, zu einem Get-Together in die Cafeteria des Campus ein. Unternehmen, die sich an Forschungsprojekten der FGF beteiligen möchten, erreichen Tobias Steffen unter
Bild 1: Besuch am Campus Höhr-Grenzhausen der Hochschule Koblenz (v. l. n. r.): Julian Joswig, Carl-Bernhard von Heusinger, Mia Smit, Dr. Elke Steinle, Dr. Lea Heidbreder, Gordon Gniewosz, Prof. Dr. Pascal Seffern, Tobias Steffen, Dr. Marcel Bastian, Dr. Kerstin Hauke, Peter Buchholz, Rebecca Stallbaumer, Samara Ziehl. Bildnachweis: Vanessa Günster
Bild 2: Tobias Steffen, Forschungsgemeinschaft Feuerfest e. V., über feuerfeste Werkstoffe als Schlüsseltechnolo-gie für den Industriestandort Deutschland. Bildnachweis: Dr. Lea Heidbreder
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